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ME, MYSELF & I: AMPHITRYON 

NACH HEINRICH VON KLEIST

 

"Das A.TONAL.THEATER hat Kleists Sprache tief ausgeleuchtet. Witz und Wanken wirken von selbst gegenwärtig. Requisiten braucht es nicht. Jörg Fürst inszeniert den Text in einer geometrischen Partitur an der jede Position auf der Bühne ausgezirkelt ist. Spannung entsteht durch die Anordnung der Elemente in Raum und Zeit und weniger durch Psychologie. Zu Kleists Poetologie passt das perfekt. Alkmenes berühmtes Ach am Schluss ist in dieser Inszenierung gestrichen, es geistert aber die ganze Zeit wie durch ein akustisches Spiegellabyrinth, als seien alle Figuren Splitter eines einzigen Gedankens" (WDR3 Hörfunk, "Resonanzen")

"Dem A.TONAL.THEATER gelingt es Kleists Sprache mit Leben zu füllen. Ein großartiges Ensemble lässt den Zuschauer mitschauen bei der Inszenierung des Grundkonfliktes: Einem Menschen bleibt nicht einmal die Gewissheit er selbst zu sein. Ein großartiger Theaterabend mit vielen aktuellen Bezügen von Mobbing bis zum Identitätsdiebstahl im Internet." (RHEINKULTUR)

"Diese Produktion des A.TONAL.THEATER ist eine kluge, eindingliche und zeitgemäße. (...) Der ganze Abend wirkt in seiner szenischen Beschränkung, reduzierten Personenzahl und Bewegungen entlang geometrisch klarer Linien wie ein durch Beckettsche Theater gefilterter Kleist. Doch trotz aller Kürzungen und eingeschlossener aktueller Bezüge zu digitalen Doppelgängern - vielleicht ist das Hauptquartier der NSA ja der neue Olymp. Was diesen knapp eineinhalbstündigen Abend aus dem Gros des Angebotes heraushebt, ist sein entschlackter Blick auf die Kleist´sche Sprache, nicht zuletzt dank des homogenen Ensembles." (Kölner Stadtanzeiger)

Was bleibt, wenn einem alles genommen wird, wenn selbst das Ich abhanden kommt?

Den Stoff des AMPHITRYON lieferte Kleist eine Randnotiz der griechischen Mythologie: Die Zeugungsgeschichte des Herkules. Begeistert von der Schönheit der Alkmene beschließt Jupiter, sie in Gestalt ihres Mannes Amphitryon zu besuchen. Die getäuschte Alkmene erlebt mit dem falschen Ehemann eine unvergessliche Liebesnacht. Der echte Amphitryon, als Sieger aus der Schlacht heimgekehrt, erlebt seine größte Niederlage im Privaten: Ein anderer raubt ihm seine Identität. Wie im Blindflug agieren die Menschen in diesem Plot, da Ihnen jedes Koordinatensystem für wahr und falsch – selbst das der eigenen Gefühle – genommen wurde.

 

Kleists Reflektion einer ultimativen existenziellen Verunsicherung ist gerade in Zeiten von PRISM-Spionageprogrammen und des Web 2.0 mit seinen Social-Media-Angeboten und Formen des Cyber-Mobbings hochaktuell: Nur tritt das wahre ICH heute nicht mehr mit einem Doppelgänger aus der Götterwelt in Konkurrenz, sondern mit dem eigenen Cyber-ICH des Internets. Trotz derselben Identität ergeben sich auch hier Abweichungen, Wunschbilder, Verwandlungen, Täuschungen oder Kopien der eigenen Identität.

 

Dass das Ich nichts Fixes ist, welche Berufsgruppe wüsste es besser als Schauspieler, die die Ichs ihrer Rollen stets aufs Neue konstruieren und dabei auch noch das private Ich als Konstrukt mit ins Spiel zu bringen haben.

 

ME, MYSELF & I: AMPHITRYON ist eine Produktion von A.TONAL.THEATER in Koproduktion mit Freihandelszone - Ensemblenetzwerk Köln, dem COMEDIA Theater Köln und dem internationalen Tanz- & Theaterfestival GLOBALIZE:COLOGNE 2013. Die Produktion wird gefördert vom Kulturamt der Stadt Köln, dem Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Bildung, Kultur und Sport des Landes NRW sowie der Kunststiftung NRW.

 

MIT:

Dorothee Föllmer, Verena Plangger, David Fischer, Oleg Zhukov, Valentin Stroh

 

Konzept/Regie: Jörg Fürst, Musik/Videoscreening: Valerij Lisac, Licht: Kerp Holz, Bühne: Jana Denhoven, Kostüme: Monika Odenthal, Maske: Anke Scheiter, Layout/Internet: Jörg Waschat/nondesign, Produktion: Kaja Manenbach, Regieassistenz: Martina Kock, Technik: Garlef Keßler, Jasper Diekamp, Videodokumentation: Basa Vujin-Stein, PR: Freihandelszone, neurohr&andrä